Notiz

8. May 2012
von Jonathan
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re:publica 2012 – Linksammlung (work in progress)

Ich selbst hatte auf der re:publica 2012 nur wenig Zeit für Panels. Deswegen kann ich auch nur schwer etwas zu der Veranstaltung sagen, außer: Man hat das Gefühl von Offenheit und Spontaneität erfolgreich in die neue Halle übertragen, in der ich die meiste Zeit zusammen mit dem Piktomat meine Zeit verbracht habe. 

Auf die Anregung von Markus Henkel (@EbbeSand) hier eine Linksammlung mit Blog-Beiträgen über die re:publica. Bitte helft uns mit euren Links an @RJonathan und @EbbeSand und in den Kommentaren! (In den Kommentaren müsst ihr ein wenig Geduld haben, wegen des Spamfilters)

Blogs

(Alphabetisch nach Nachname)

re:publica 12 – carry on, carry on! (Nicole Ebber) auf antischokke.de

Re:publica 2012: unsere Impressionen des Kongresses (Stephanie Endres) auf mit-blog.de

Kreativtankstelle für Journalisten (Jan Gesthuizen) auf gesthuizen.de

Von der #rp12: How to make your activist space a safe space (Helga Hansen) auf maedchenmannschaft.de

Beware of the Kontrollverlust – Die re:publica 2012 (Ralf Heinrich) auf kreativbuero.de

Was die re:publica für mich bedeutet (Kerstin Hoffman) auf carta.info und kerstin-hoffmann.de/pr-doktor

Macht geile kleine Blogs auf! #rp12 (Claus Junghanns) auf kritikkultur.de

#rp12, Tag 1: Netzbetrachtung, Netzfreiheit, Netzjournalismus (Paulina Landes) auf interactive.hotwire.pr

#rp12 Tag 2: Zwischen Bloggerblase Brüssel und Bewegtbild (Paulina Landes) auf interactive.hotwire.pr

Das Netz ist ein lebenswerter Raum! #rp12 #Act!on (Jörg Langer) auf digitaler-augenblick.de

Die elbdudler auf der re:publica (Kathrin Kaufmann) auf elbdudler.tumblr.com

Viva la re-publica! (Thomeas Knüwer) auf indiskretionehrensache.de

re:publica: Luft Holen (Jan-Jasper Kosok) auf freitag.de

Unternehmen sucht Nerd (Michael Kuhn) auf blog.daimler.de

Republica: Foodblogs, Weltverbesserer und ein silberner Sellerie (Meike Leopold) auf emea.nttdata.com/blog/de/

re:publica 2012 (Stephanie Neumann) auf werksatdt.net

re:publica 12: Die Highlights für Journalisten (Bernd Oswald) auf journalisten-training.de

Unser Rückblick auf die re:publica 2012 (Sarah Pust) auf digitalmediawomen.de

re:publica 2012: Klassentreffen galore (Daniel Rehn) auf danielrehn.wordpress.com

Rückblick auf die re:publica 12 (Nadine Reger) auf beebop.de

Mehr ACT!ON für alle. #rp12 (Sue Reindke) auf happyschnitzel.de

re:publica, Sellerie und Pornobus – Deutscher Webvideopreis in der Kategorie “Fail” (Markus Sommer) auf netzmilieu.de

Re:publica 2012 von A-Z (Kiki Thaerigen) auf e13.de

Überhaupt Liebe  (Christian de Vries) auf cdv-kommunikationsmanagement.de

re:publica 2012 – Vom real existierenden Elfenbeinturm. (Jo Wedenig) auf brainwash.webguerillas.de

Re:publica 12 (Andreas Wildenhain) auf soliloquium.de

>re:publica 12< größere Räume und mit “action” (Mundo Yang) auf blogs.uni-siegen.de/consumer-participation

 

Bilder & Video

Timelapse Video: Analog Twitterwall at re:publica 2012  auf vimeo.com

Fotostream von re:publica 2012 (re:publica) auf flickr.com

Fotostream (Sascha Bauermeister) auf flickr.com

Re:publica 2012: Steffen Seibert über die Social-Media-Nutzung (Markus Henkel) auf mit-blog.de

re:publica 2012 Fotoalbum (Jörg Langer) auf flickr.com

re:publica 2012 Fotoalbum (Ralf Stockmann) auf flickr.com

Bilder von der re:publica 2012 (Volker Wittmann) auf volkersworld.de

 

Podcasts

Podcast 323: re:publica 2012 (Johnny Haeusler) auf spreeblick.com

ANYSE03 – re:anygeeks #2 (#rp12 Tag 1) auf anyca.st und wikigeeks.de

ANYSE04 – re:anygeeks #3 (#rp12 Tag 2) auf anyca.st und wikigeeks.de

ANYSE05 – re:anygeeks #4 (#rp12 Tag 3) auf anyca.st und wikigeeks.de

DS 8: re:publica re:cap auf datastream-podcast.de

re:publica 12 Special auf kwobb.net

TRB 277: republica, brokenlifts, was hab ich, windowfarms, hackathon, weltfrieden auf trackback.fritz.de

WMR41 – wir müssen re:den auf wir.muessenreden.de

Zeitungsartikel

re:publica 2012: Stimmen und Stimmungen (Falk Hedermann) auf t3n.de

 

4. May 2012
von Jonathan
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Ausbeutung 2.0

Der interessanteste Satz auf der re:publica 2012 zum Urheberrecht fiel nicht auf einem der vielen dem Trend-Thema gewidmeten Panels. In der “ZDF Stuhlrunde” war es ein Zuschauer, der in seinem Anti-ACTA-Enthusiasmus eine mindestens auf den zweiten Blick zündstoffreiche Frage stellte. Der Redakteur vom ZDF auf dem Podium hatte zuvor erklärt, dass die Bereitstellung von Sendungen online vor allem wegen der Klärung von Musikrechten komplex und deswegen nicht möglich sei. Anstatt diese hohle Aussage als mangelnden Investitionswillen des Senders in die Online-Sparte zu entlarven und darauf hinzuweisen, dass es hier wohl kaum um Komplexität sondern viel mehr um Geld geht, entschied sich ein Zuörer für eine andere Wortmeldung:
Wenn weniger “Komplexität” im Urheberrecht gut für die einfache, nutzergerechte Verwertung sei, warum unterstütze man dann die Content-Allianz und ihren Kampf gegen ACTA?

In diesem Satz drückt sich wie kaum sonst genau jener gefährliche Moment in der Urheberrechts-Debatte aus, in dem sich Nutzer und Verwerter gemeinsam gegen das Urheberrecht und eine gerechte Bezahlung der Werkschaffenden wenden. Geht es einem solchen Nutzer wirklich darum, Ausbeutung durch die Verwerter zu verhindern? Die Auffoderung an das ZDF für ein möglichst lasches Urheberrecht zu kämpfen, damit sie ihre Inhalte ohne Kompenstion für Urheber überall verbreiten können, zeigt: Freies und faires Teilen kann allzuleicht in neuen, von den Nutzern avancierten Ausbeutungsformen 2.0 münden.

Kein ernstzunehmender Netzaktivist stellt die Forderung nach der kompletten Abschaffung des Urheberrechts (höchstens um sich plump in den Buzz einer aktuellen Debatte zu manövrieren und das eigene Profil als vortragsreisender Provokateur auszubauen – übrigens auch ein interessantes parasitäres Geschäftsmodell auf Kosten der Urheber). Aber immer wieder drohen die Forderungen der Urheberrechts-Reformer über das Ziel hinauszuschießen und zumindest implizit in eine Ausbeutung 2.0 abzudriften. Zum Kampf der Nutzer für ein gerechteres und einfacheres Urheberrecht gehört zwingend auch das Bewusstsein, dass die Gefahr neuer, viel weniger kontrollierbarer Ausbeutungsformen droht. Ansonsten wird es noch viele weitere Tatort-Autoren-Briefe und Regener-Rants geben.

1. April 2012
von Jonathan
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Netzpolitik: Populismus statt Lobbyismus?

Eine große Kraft zieht die Politik im Netz aus ihrem Kampf gegen Lobbyismus in der Politik. Entscheidungen, die in Hinterzimmern über die Köpfe von Bürgern hinweg getroffen werden. Reformen, aus denen immer die gleichen Seilschaften als Sieger hervorgehen. Das sind ihre erklärten Gegner. Doch die Bewegung, die ganz augenscheinlich als eine Befreiung und Verbesserung der politischen Prozesse begonnen hat, ist längst Teil eines Infokrieges geworden in dem jedes Mittel recht scheint, um Netz-Bürger zu mobilisieren.  Netzaktivisten kämpfen mit den gleichen unangenehmen Waffen wie ihrer Gegner. Der Kampf gegen den Lobbyismus, droht in sein vielleicht noch schlimmeres Gegenteil zu Kippen: Den Populismus. 

Nie war die Mobilisierung der Massen einfacher, nie ließen sich einfacher und bequemer – aus dem “Armchair” heraus – Massen mobilisieren. Millionen Klicks für Kony und das Anonymous-Video zu ACTA sprechen eine deutliche Sprache: Beide als Aufklärung daherkommende Videos stehen bei Fachleuten in der Kritik. Doch die Internet-User sind nicht an den kniffligen Details politischer Debatten interessiert sondern an einfachen Botschaften auf RTL- und BILD-Niveau. 

Das ist an sich wahrscheinlich keine Überraschende Erkenntnis. Überrascht hat es mich, wer alles in meinem Freundeskreis diese Videos unreflektiert und mit “UNBEDINGT ANSCHAUEN!”-Empfehlungen versehen weiterverbreitete. Menschen, die sich nie im Leben eine Bild-Zeitung kaufen würden und denen ich ein wenig mehr Medienkompetenz zugetraut hätte. Während im Fernsehen und in den Zeitungen kritisch konsumiert wird, glaubt man Videos auf Youtube ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken oder eine halbe Minute nachzurecherchieren.

Denke ich diese Phänomene konsequent weiter, gelange ich zu einer “Schönen neuen Politik” der Zukunft. Fachleute können sich gerne in Gremien und Tagungen die Zunge fusselig reden. Wer das aufregendste und empörendste Video auf Youtube stellt, der bekommt die Leute auf die Straße. Da muss man gar nicht erst bedenken, wohin die letzte große Populismus-Bewegung in Deutschland geführt hat, um die Frage aufzuwerfen, ob man nicht im Begriff ist, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben?

9. March 2012
von Jonathan
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Noch einmal: “Geistiges Eigentum”

Auch Wolfgang Michal hat auf carta eine Antwort auf den Artikel von Thomas Stadler geschrieben, in dem er die provokante These in den Raum wirft, dass man konsequenterweise den ganzen Eigentumsbegriff anzweifeln müsse. Marcel Weiss hat auf neunetz (und in Kopie auch auf carta) eine Reaktion verfasst, die einige Dinge richtig analysiert, aber leider entscheidende Zusammenhänge ausspart oder gar übersieht.

Grundsätzlich empfinde ähnlich wie Michal die Argumentationslinie von Urheberrechtskritikern als den Versuch, eine Art partiellen Kommunismus zu installieren, was die Frage aufwirft: “Warum nur partiell?” Weiss hat als Argument die besondere Beschaffenheit geistiger Werke zur Antwort, ihre Immaterialität.  Schon in meiner Antwort auf Stadler habe ich drei Gedanken zu dem Thema ausgeführt, darunter auch eine Bemerkung zu der Ansicht, dass nur Verwerter von Urheberrechten profitieren. Hier nun eine Fortsetzung auf der Basis der aktuelleren carta-Diskussion (deswegen die Nummerierung ab 4.).

4. Immaterialität, Materialität und Wert

Es ist richtig, dass “geistiges Eigentum” in seinem Wesen die Möglichkeit einer fast kostenfreien Vervielfältigung trägt, während Gegenstände “knapper”, weil materiell sind. Aber gibt es wirklich einen Gegenstand ohne “immateriellen Überbau”? Konkret: der Preis eines iPods setzt sich nur zu einem äußerst geringen Teil aus seinen Materialkosten und der Verschickung des Gerätes zusammen. Die gesamte Entwicklung, der Verwaltungsapparat, das Marketing und alle Menschen, die irgendwie im Namen der Firma Apple etwas mit dem iPod zu tun haben, werden ebenfalls bezahlt. Kurz gesagt: Immateriellen Leistungen stecken in jedem materiellen Gut und werden im Preis vergütet. Deswegen erheben auch bei immateriellen Gütern die Produzenten und Verwerter den Anspruch, dass diese Leistungen bezahlt werden.

Weiß räumt das selbst in einem Nebensatz zum Patentrecht ein, welches diesen Überbau bei materiellen Gütern schützt. Monopole existieren überall, und wo sie nicht durch Patent- und Urheberrechtsgesetze geschützt sind, entstehen sie aus Kapital-, Ressourcen oder Wissensakkumulation. Der Wert aller Produkte am Markt ist deswegen immer künstlich, in dem Sinne, wie es die Kritiker dem “geistigen Eigentum” unterstellen.  Das gilt im Extremfall sogar für natürlich nachwachsende Rohstoffe, deren Produktion sich auf dem entsprechenden Land-Eigentum – einem gleichfalls künstlichen Wert – gründet. Und insofern hat Wolfgang Michals Frage, warum man das Eigentum nur in dieser beschränkten Art in Frage stellen will, eine Berechtigung.

Jedes Privat-Eigentum ist in gewissem Sinne “Raub” an der Allgemeinheit. Das ist keine neue und unerhörte Feststellung, es liegt sogar etymologisch offen in dem Wort “privat” (von “privare”, lat. rauben). Insofern ist der Begriff meines Erachtens nach viel weniger verstellend, als seine Kritiker es behaupten. Es ist vielmehr der Blick auf den vollen Bedeutungsumfang, der mitunter verstellt ist. Dazu gehört auch, die kapitalistische Idee, dass der Schutz des Eigentums und die Akkumulation von Produktions-Kapital (wie auch immer sie abgesichert ist) am Ende durch die höhere Wertschöpfung auch der Allgemeinheit zu Gute kommt.

5. Eigentum und Parasitentum

Aber weder die Frage, ob es Eigentum gibt, noch die Frage, wem das Eigentum gehört (den Künstlern, den Verwrtern, der Allgemeinheit) sind interessant und zielführend für die Diskussion. Die einzige Frage die in jeder Ökonomie interessiert ist: Von wo nach wo fließt das Geld (oder abstrakter, “der Wert”)? (Die Konzentration auf diese Fakten fordert in anderen Worten wohl auch Marcel Weiss ein. Unterschiedlich bewerten wir allerdings die Bedeutung und Umfang des Begriffes “Eigentum”.)  

Im Ideal fließt das Geld “gerecht” und jeder bekommt, was er “verdient”. In der Realität hat jeder eine andere Vorstellung von “gerecht”, und so kommen wir zum “Parasiten-Problem”: Jede gutgemeinte Regelungen wird parasitär ausgenutzt. Beziehungsweise: Jede Nutzung ist je nach Sichtweise parasitär. Den Parasiten-Vorwurf kennt man aus allen gesetzlichen Regelungen, die Geldströme lenken. Irgendjemand profitiert immer zu unrecht, mal sind es “faule Hartz-IV-Empfänger”, mal “profitgeile Banken”, mal die “Content-Industrie”, mal die “Raubkopierer” und mal die “Abmahn-Anwälte” – keine politische Diskussion ohne den Hinweis auf Profiteure.

Das Parasiten-Problem gründet nicht in der Deklaration von “geistigem Eigentum”. An jedem Geldfluss hängt ein parasitärer kulturelle Überbau. Anwälte verdienen an Verträgen, Banken an Überweisungen, Berater an Entscheidungen usw… Es wird sich kein System einrichten lassen, das aus Sicht aller frei von parasitären Gewinnen ist. Die Herausforderung ist es, die Möglichkeiten und Mengen dieser Geschäfte zu regulieren.

6. Zusammenfassung

Sinn der Urheberrechtes ist es nicht, der Allgemeinheit (siehe 2.) zu dienen und auch nicht, parasitäre Praktiken (siehe 5.) zu ermöglichen. Das Urheberrecht sichert den Werkschaffenden als Schutzrecht eine Beteiligung an den Geldflüssen im Zusammenhang mit ihren Werken - unabhängig von den eingesetzten Verbreitungsmedien und den als Verteiler agierenden Firmen. Wenn sich durch das Internet die Verteilung der Werke verändert und verschiebt, dann verändern sich auch die Geldflüsse. Auf diese Veränderung kann man mit der Forderung reagieren, nun endlich die lästigen Schranken des Künstler-Schutzrechtes fallen zu lassen – oder man kann das System umbauen und die Urheber an neuen Geldflüssen beteiligen. Letzteres wird in der UN-Menschenrechts-Charta ausdrücklich verlangt.

4. March 2012
von Jonathan
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“Geistiges Eigentum”? – eine Replik

In einem von der Stoßrichtung her guten und richtigen Beitrag hat Thomas Stadler die Begrifflichkeit vom “geistigen Eigentum” auseinander genommen. Ich selbst habe keine Ambitionen, den Begriff zu verteidigen. Allerdings fielen mir beim Lesen des Beitrages einige Passagen etwas unangenehm auf, weil sie die richtige Idee zum Teil mit in meinen Augen falschen Mitteln rechtfertigen.  

1. Gleichsetzung von “Kopie” und Kopie

In meinem Verständnis gibt es einen Unterschied zwischen dem kopierten Exemplar eines Werkes – der echten Kopie – und einem Plagiat, Remix, Mash-Up 0der Sampling, eben jener diskreditierten “Kopie”, die Dirk von Gehlen rehabilitiert (ich habe das Buch nicht gelesen und beziehe mich auf die Zusammenfassung, die Stadler selbst in dem Artikel referiert). Das eine ist die Verteidigung einer Werktechnik (geniales Schaffen ganz und gar aus sich selbst heraus), die tatsächlich zu keinem Zeitpunkt in der Kulur-Geschichte reell war. Die Grenze zwischen “Inspiration” und “Plagiieren” ist künstlich und willkürlich gesetzt. Aber die digitale 1:1-Kopie eines Songs auf einer WG-Party ist eine gänzlich andere Sache. Hier handelt es sich doch um die komplette Reproduktion eines Songs, um diesen zu nutzen und nicht um einen kreativen Akt, die zu unrecht diskreditiert wird.

2. Urheberrecht und Allgemeinwohl

Ich bin mit Thomas Stadler einer Meinung, wenn er andeutet, dass das Urheberrecht einem Allgemeinwohl zuwider läuft und sogar häufig die Arbeit von Kreativen sabotiert, weil sie sich nicht an dem Material anderer bedienen können. Die Wahrheit ist allerdings viel weniger skandalös als man es vielleicht vermuten will: Das Urheberrecht ist ein Schutzrecht und dient den Urhebern. Es schützt sie vor der Ausbeutung durch die Allgemeinheit und setzt deswegen der Kulturpraxis des freien Kopierens geistiger Werke eine Grenze.

Der Aufschrei mag nun groß sein, dass die Verwerter ja die Urheber ausbeuten und die wahren Profiteure des Rechtes sind. Das ist sicherlich eine tendenziell richtige Feststellung: Die Verwerter profitieren mehr vom Urheberrecht, als die Urheber. Aber: Urheber profitieren auch vom Urheberrecht, wenn auch zu wenig. Zumindest was die Sicherung ihres Lebensunterhaltes angeht, geht es ihnen besser in einer Welt mit Urheberrecht als in einer Welt ohne. Dazu muss man sich nur das traurige Leben des Herrn Mozart anschauen, der bettelarm starb, weil er an dem Erfolg seiner (zum Teil plagiierten) Werke keinen Anteil hatte. Es wäre interessant ihn zu Fragen ob er auf die Kopien verzichtet hätte, wenn ihm Not und Hunger dafür erspart geblieben wären. Eigene Ideen hatte er ja genug…

3. Urheberrecht und Genie

Die Dekonstruktion des Genies durch die Kulturwissenschaft der letzten 40 Jahre hat einer ideellen Rechtfertigung des Urheberrechts möglicherweise die Grundlage entzogen, so Stadler. Aber es ist falsch anzunehmen, dass das Urheberrecht allein auf der ideellen Basis einer Genie-Ästhetik zu rechtfertigen ist. Pragmatisch geht es um den Lebensunterhalt der Künstler und das Recht auf die “moralischen” Interessen des Urhebers (Menschenrechte Art 27, Abs. 2 “Everyone has the right to the protection of the moral and material interests resulting from any scientific, literary or artistic production of which he is the author.“). Mit Genie hat das zunächst einmal nichts zu tun. Selbst der Begriff “geistiges Eigentum” impliziert keinen intakten Genie-Begriff. Die gesamte Diskussion um den Genie-Begriff ist in meinen Augen eine Scheindebatte, die es ähnlich wie die Begrifflichkeiten Eigentum, Enteignung und Raub zu hinterfragen gilt.