Klassiker heute: Homer – Odyssee (1)

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Können einem Klassiker aus längst vergangenen Zeiten heute noch etwas erzählen? Lassen sie sich mit der eigenen Lebensrealität verbinden? Für Arte habe ich diese Frage einmal anhand von Mahlers zweiter Sinfonie erörtert. Nun nehme ich mir Homers Odyssee vor.

Erster Gesang – Abwesenheit der Macht & Parasitentum

Zweimal ist jemand abwesend, zweimal ist er machtlos. Auf dem Olymp tagen die Götter, nur Poseidon weilt bei den Äthiopen. Also beschließen die anderen seinen Plan zu durchkreuzen und Odysseus aus den Fängen Poseidons zu befreien. Das Haus des Odysseus in Ithaka ist derweil von Freiern belagert. Sie halten um die Hand seiner Frau Penelopeia an und speisen schon seit Jahren auf Kosten des Hauses. Lang kann sein Sohn Telemachos die Freier-Parasiten nicht mehr durchfüttern, der Ruin naht.

Poseidon ist nicht an der Tafel der Götter, und schon fällt man ihm in den Rücken. Odysseus ist nicht zu Hause und schon schmarotzen die Freier an seinem Haushalt und stellen seiner Frau nach. Wer nicht da ist, verliert seine Macht und seine Habe. Jahrelang haben sich alte Medienunternehmen vom Internet fern gehalten. Foren, Blogs, Napster und Pirate Bay füllten die Lücke. Wer nicht präsent ist, wird von Parasiten “beraubt” – um es in der Sprache alter Machthaber zu sagen.

So weit ist es einfach, schwierig ist die Frage, ob der Anspruch der alten Machthaber gerecht ist. Odysseus wird von der Liebe zu seiner Frau und seiner Heimat angetrieben. Poseidon von Rachgier und Geltungsdrang. In den Gefühlen liegt hier der Unterschied, aber Medien haben keine Gefühle, sie haben nur Funktionen.

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