Klassiker heute – Homer Odyssee (2)

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Eine kleine Serie zur Odyssee. Eine kurze Einleitung und Teil 1 gibt es hier.

Zweiter Gesang – Schuld und Verantwortung

Die Göttin Athene hält Telemachos, dem Sohn des Odysseus, eine Standpauke. Es ist Zeit erwachsen zu werden, er solle für sein Recht und sein Haus stehen und die Freier verjagen. Aber hochmütig verweigern die Männer die Bitten des jungen Mannes und schieben die Schuld auf die listige Pelenopeia, Odysseus Frau. Obwohl niemand mehr mit der Rückkehr des Helden rechnet, hält sie die Freier seit Jahren hin. Immer wieder verspricht sie einen zu erwählen, doch immer kennt sie neue Gründe für den Aufschub der Entscheidung.

Wer hat Schuld? Telemachos tritt nicht als “echter, starker Mann” auf, weil die Freier zu stark sind. Die Freier gehen nicht, weil Penelopeia keinen erwählt. Penelopeia, hält sie hin, weil es keine sichere Nachricht gibt, ob Odysseus wirklich tot ist. Und Odysseus ist abwesend, weil die Götter ihn aufhalten. Das Drama besteht, weil jeder einen anderen Schuldigen hat. Niemand übernimmt die Verantwortung, jeder schiebt auf den anderen. Alles geht gemächlich und unausweichlich dem Untergang entgegen, weil alle sich in der Schuld des anderen eingerichtet haben.

Erst das eingreifen der Göttin Athene bringt Bewegung in das Gefüge. Sie zwingt Telemachos zur Verantwortung, die Freier gehen zwar nicht, aber er zieht los und fährt den Vater suchen. Wir halten fest: teuflische Abwesenheit des Odysseus dank Poseidon (siehe Teil 1), göttliche Verantwortung des Telemachos dank Athene. Alles andere ist menschliches Parasitentum. Jeder hat sich in den Zuständen eingerichtet und gemeinsam treib man dem Untergang entgegen.

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