Isao Takahata: Pom Poko (Studio Ghibli 1)

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In den letzten Wochen habe ich mir ein paar der großen Studio-Ghibli-Filme (noch) mal angeschaut. Um genau zu sein waren es folgende fünf: Nausicaä, Mein Nachbar Totoro, Pom Poko, Prinzessin Mononoke und Chihiros Reise ins Zauberland.

Besonders überrascht hat mich Pom Poko, der hierzulande unbekannteste Film in der Liste. Seine reichlich unkonventionelle Struktur macht es zunächst ermüdend ihn zu schauen. Rund 60 Minuten dauert die erzählerdominierte Einleitung in das Leben und die Probleme der Marderhunde. Dann nimmt der Film gehörig Fahrt auf. Äußerst sympathisch spielt er anhand des drollig skurrilen Marderhund-Volkes verschiedene Szenarien des Widerstands eines dem Untergang gewidmeten Volkes in einem asymmetrischen Krieg durch. Das Vorrücken der menschlichen Städte bedroht ihre Heimat. Eine riesige Wohnanlage soll in ihrem Naturschutzgebiet entstehen.

“Was ist das richtige Leben im falschen?”, ist die Frage hinter dieser Geschichte. Wie im richtigen Leben – so möchte man sagen – sind die Marderhunde sich über das geeignete Mittel des Widerstandes gegen den übermächtigen Gegner nicht einig. zunächst versuchen sie die Menschen mit Subversion zum Umdenken zu bewegen. Sie inszenieren Spuks und hoffen, die Menschen werden in Ehrfurcht vor den Göttern ihre Bauvorhaben abbrechen. Doch das stellt sich als naive Hoffnung heraus. Die rationale Medienmaschine der Menschen findet schnell Erklärungen und Rechtfertigungen für alles. Die Interpretation der rationalen menschlichen Welt lässt sich nicht untergraben.

Schließlich endet ihr Kampf in einer Serie von Alleingängen, jede Gruppierung erprobt einen anderen Weg: Im Widerstand aufrecht untergehen, religiös werden und gottergeben dem eigenen Untergang entgegensegeln, in einer pompösen Demonstration um Verständnis für die eigene Sache werben oder den Verführungen der schönen Welt nachgeben und die eigene Kunst gegen guten Lohn in den Dienst der billigen Unterhaltung stellen. Doch all das sind nur Strategien den Untergang zu gestalten, denn eine Lösung für ihr Problem gibt es eigentlich zu keinem Zeitpunkt.

So weit, so schematisch. Das Besondere an dem Film ist sein Humor. Er widmet sich den sympathischen Schwächen der Tierchen, die immer nur an Party und Essen denken und eigentlich viel zu faul und genügsam für einen solchen Krieg sind. Und als es für dei Heranwachsenden neuen Krieger endlich los gehen soll im Kampf gegen die Menschen, gründen diese lieber erstmal Familien und kümmern sich um den Nachwuchs. So verlieren die Marderhunde ständig den Faden und die Motivation für große Taten. In ihrer Entscheidungsfindung führt dies immer wieder zu überraschenden Entwicklungen. Mit dem Bild einer perfekten politischen Organisation, wie sie uns die Agenten- und Kriegs-Blockbuster Amerikas immer vorspielen, wird hier kräftig aufgeräumt. Das Leben ist viel mehr als Politik und Kampf. Auch in Krisenzeiten.

Am Ende ist klar: es gibt kein richtiges Leben im falschen. Und so bleibt den geschickteren Marderhunden die Assimilation durch die Verwandlung in Menschen, den weniger verwandlungsbegabten nur die Gosse. Sie leben fortan unterhalb des Existenzminimums in den Hinterhöfen vom Müll der Menschen. Doch auch dieses frustrierende Ende wird zuletzt von der eigentlichen Botschaft des Films kommentiert: wenn wir schon untergehen, dann wenigstens mit Humor, einer Familie, gutem Essen und einer Feier unter Freunden.

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