Netzpolitik: Populismus statt Lobbyismus?

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Eine große Kraft zieht die Politik im Netz aus ihrem Kampf gegen Lobbyismus in der Politik. Entscheidungen, die in Hinterzimmern über die Köpfe von Bürgern hinweg getroffen werden. Reformen, aus denen immer die gleichen Seilschaften als Sieger hervorgehen. Das sind ihre erklärten Gegner. Doch die Bewegung, die ganz augenscheinlich als eine Befreiung und Verbesserung der politischen Prozesse begonnen hat, ist längst Teil eines Infokrieges geworden in dem jedes Mittel recht scheint, um Netz-Bürger zu mobilisieren.  Netzaktivisten kämpfen mit den gleichen unangenehmen Waffen wie ihrer Gegner. Der Kampf gegen den Lobbyismus, droht in sein vielleicht noch schlimmeres Gegenteil zu Kippen: Den Populismus. 

Nie war die Mobilisierung der Massen einfacher, nie ließen sich einfacher und bequemer – aus dem “Armchair” heraus – Massen mobilisieren. Millionen Klicks für Kony und das Anonymous-Video zu ACTA sprechen eine deutliche Sprache: Beide als Aufklärung daherkommende Videos stehen bei Fachleuten in der Kritik. Doch die Internet-User sind nicht an den kniffligen Details politischer Debatten interessiert sondern an einfachen Botschaften auf RTL- und BILD-Niveau. 

Das ist an sich wahrscheinlich keine Überraschende Erkenntnis. Überrascht hat es mich, wer alles in meinem Freundeskreis diese Videos unreflektiert und mit “UNBEDINGT ANSCHAUEN!”-Empfehlungen versehen weiterverbreitete. Menschen, die sich nie im Leben eine Bild-Zeitung kaufen würden und denen ich ein wenig mehr Medienkompetenz zugetraut hätte. Während im Fernsehen und in den Zeitungen kritisch konsumiert wird, glaubt man Videos auf Youtube ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken oder eine halbe Minute nachzurecherchieren.

Denke ich diese Phänomene konsequent weiter, gelange ich zu einer “Schönen neuen Politik” der Zukunft. Fachleute können sich gerne in Gremien und Tagungen die Zunge fusselig reden. Wer das aufregendste und empörendste Video auf Youtube stellt, der bekommt die Leute auf die Straße. Da muss man gar nicht erst bedenken, wohin die letzte große Populismus-Bewegung in Deutschland geführt hat, um die Frage aufzuwerfen, ob man nicht im Begriff ist, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben?

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