Überall ziemlich beste Freunde – Integrationsfilme

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Das französische Popcorn-Kino setzt auf Freundschaft. Zwei Zuschauerrekorde hintereinander beschäftigen sich mit nationaler Versöhnung. Bei den “Sch’tis” wird der Norden mit dem Süden versöhnt – symbolisch für die Versöhnung einer französischen Genuss-Elite mit der rohen, ‘kulturfernen’ Arbeiterschaft. Verkürzt vermittelt der Film: auch mit Bier und Fußball kann sich Kultur und Menschlichkeit entwickeln.

Beim neuesten Riesenerfolg des französischen Kinos, “Ziemlich beste Freunde” (eine unglückliche Titel-Übersetzung von “Intouchables”), geht man noch einen Schritt weiter. Die Banlieue verbrüdert sich mit dem Pariser Geld- und Kulturadel im Stile des XVI. Arrondissements. Stell Dir vor, Rap-Musik und Kammerkonzert, Wohnsilo trifft Stadtvilla. Der Erfolg der Geschichten zeigt: Es scheinen eine befreiende Lektion für die Franzosen zu sein. Und sie lässt erahnen, wie groß die Probleme Frankreichs mit der Integration sind.

Inzwischen ist das Thema auch im deutschen Kinofilm angekommen, aber es ist doch auffällig wie unterschiedlich der Weg der Komödien sein kann. “Almanya” ist eine Art deutsch-türkischer Selbstfindungsfilm. Die Versöhnung des Migranten mit seinem interkulturellen Schicksal. Eine solche eigene Identität ist für den Banlieue-Bewohner scheinbar noch nicht vorgesehen. Der französische Elitarismus tut sich deutlich schwerer mit den Herausforderungen der Postmoderne. Er schickt den Migranten erstmal in die Schule, ein bisschen Kultur und Anstand lernen, und er lässt ihn auch gerne den Clown spielen und die Lebenslust zurück in die verknöcherte Gesellschaft bringen. Aber dann ist auch gut, und jeder geht wieder dahin, wo er hingehört.

Freilich ist der gewählte Weg des Films der realistische. Er folgt ja sogar einem wahren Vorbild. Und die Grundaussage, den Migranten eine Chance zu geben und mit Geduld zu reagieren, weil davon alle profitieren können, ist absolut realistisch. Aber vom Kino als Traumfabrik könnte man sich doch auch größere, gewagtere Integrationsgeschichten wünschen, in denen es zu einer wirklichen Verschmelzung der Welten kommt. Aber solche Geschichten können (wenn auch mit “Avatar” in das phantastische übertragen) bislang wohl nur die Amerikaner erfolgreich ins Popcorn-Kino zu bringen.

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